Das Tropfhausmuseum in Sassanfahrt/Hirschaid

Eines der letzten sogenannten "Tropfhäuser", die unter der Dorfherrschaft des Grafen von Soden ab 1784 bis etwa 1806 entstanden sind, ist das Haus Nummero 57 in der Pfarrer -Hopfenmüller- Strasse in Sassanfahrt. Es wurde 1804 erbaut und war seit 1839 innerhalb einer Familie weitervererbt worden. Nach dem Ankauf des denkmalgeschützten Gebäudes durch den Markt Hirschaid 1993 wurde im Jahre 2000 vom Marktgemeinderat der Beschluss zur Sanierung des Gebäudes gefasst. Seit Juni 2003 ist das Tropfhaus als Museum für Besucher zugänglich. Die örtliche Julius-von-Soden-Schule (Grund- und Hauptschule) hat in Zusammenarbeit mit der Landesstelle für Nichtstaatliche Museen in Bayern ein museumspädagogisches Konzept für das Tropfhaus entwickelt. Dieses orientiert sich am Lehrplan der Grundschule zum Thema: "Dorf als Lebensraum" und "Heimat des Menschen", "Historische Entwicklung eines Ortsbildes" und dem Gedanken der Denkmalpflege. Das Tropfhaus bietet auch Raum für Unterrichtsstunden zu diesen Themen.
Das Museum ist seit Juni 2003 für Besucher zugänglich. Weitere Informationen bei der Gemeindeverwaltung Markt Hirschaid.


 

Für den Dachboden des Tropfhauseshabe ich die Ton- und Raumistallation "Wohnen und Leben am Rande der sozialen Existenz" konzipiert. Die Installation ist Teil des museumspädagogischen Konzeptes.

Beschreibung der Installation:
Der Aufgang zum Dachboden orientiert sich nach der Durchschnittsgröße eines achtjährigen Kindes (3./4. Klasse) und kann neben dem Besuch von Schulklassen auch von Erwachsenen begangen werden. Durch die Luke steckt der Betrachter seinen Oberkörper in einen Raum der ihn in eine andere Welt versetzt.
Der Dachboden war der Freiraum der Kinder und diente als Schlaf- und Spielplatz. Die Installation erinnert in seiner Ausstattung an seine ehemalige Nutzung. Die Frage der zeitlichen Einordnung der Einrichtung ist irrelevant. Die herumliegenden Spielsachen sind abgenutzt, zum Teil durch intensives Spielen kaputt oder es handelt sich um Gegenstände die im Spieltrieb der Kinder umfunktioniert wurden. Unter den Sachen sind Spielzeuge aus den letzten fünfzig Jahren, so dass erwachsene Betrachter Relikte finden, die sie an ihre Kindheit erinnert und Kinder Spielsachen entdecken können, mit denen auch sie spielen oder gespielt haben.
Der Raum wird nicht nur visuell wahrgenommen. Eine Toncollage aus Gesprächsfragmenten mit Frau Winkler, die im Tropfhäuschen aufwuchs, deren Tochter, die sich an ihre Großeltern im Tropfhäuschen erinnert und Herrn Hans Schumm, Rektor a. D. der Schule in Sassanfahrt, bilden einen Tonraum. Die Gespräche nahm ich mit einem Kopfmikrofon (auch Ohrmikrofon) auf. Da das Kopfmikrofon einem Walkman-Kopfhörer ähnelt und wie dieser direkt in der Ohrmuschel platziert wird, eignet es sich besonders gut für Gesprächsaufnahmen da es nicht präsent ist wie ein herkömmliches Mikrofon. Der Gesprächspartner vergißt dadurch schnell die Tatsache der Aufnahme und es entwickelt sich ein natürliches Gespräch.
Das gesprochene Wort als akustisches Ereignis transportiert durch die individuelle Einfärbung der Stimme und dem Dialekt eine Vielzahl von Gefühlsinhalten. Ich setzte bewußt das akustische Medium ein, da das Hören unabhängig vom visuellen Abtasten des Raumes vonstatten geht. Zwischen den Gesprächsfragmenten sind kurze Pausen der Stille in denen Geräusche aus der Umgebung (vorbeifahrende Autos, Stimmen von Nachbarn, Hundegebell) wahrgenommen werden können und die als Freiräume für Interpretation und Phantasie dienen.
Die Toncollage wird per CD-Player abgespielt sobald der Bewegungsmelder den Stromfluss freigibt. Wenn der Betrachter den Bereich des Bewegungsmelders verläßt stoppt dieser, nach dem Verstreichen einer vorgegebenen Zeitspanne, die Stromzufuhr und der Player fährt zurück auf die Startposition. Es ist nicht zwingend erforderlich die Tonaufnahme in voller Länge zu hören.
Der Duft des Holzdachstuhls und dem als Schlafunterlage dienenden Strohsack regt den Geruchssinn an.

Die Installation weckt die Imaginationskraft der Betrachter und regt zur Diskussion.