Gedächtnis ist Titel und Thema der Arbeit die für die Ausstellung
in der Villa Dessauer (Bamberg) konzipiert wurde.
Die Villa Dessauer ist im Baustil der deutschen Renaissance 1884\85
errichtet. Der Bauherr war Carl Emanuel Dessauer, ein wohlhabener, jüdischer
Hopfenhändler. Die Geschichte der Villa und ihren wechselnden Bewohnern
ist eng verbunden mit dem Schicksal der Juden in Bamberg - ein Schicksal
das viele Juden in Deutschland während dem Nationalsozialismus
erlitten haben.
Die Arbeit "Gedächtnis" beinhaltet Vergangenheit - aber
nicht nur die Vergangenheit der Villa Dessauer, sondern Vergangenheit,
die in jedem Einzelnen von uns steckt.
Ort des Geschehens ist der Wandschrank, der vollgestopft ist mit Relikten
der Erinnerung. Erinnerungen in Gestalt von Fotos, Büchern, Kleidungsstücken,
usw., eine Ansammlung von Alltagsgegenständen.
Im Archiv der Dinge läßt sich beunruhigenderweise keine Gewißheit
über das Vergangene gewinnen. Das Gedächtnis der Alltäglichkeiten,
die den Gegenständen in Form von Zeitspuren eingeschrieben ist,
konstruiert sich unter jedem Blick neu. Die Relikte der Erinnerung befinden
sich in ungeordnetem Zustand im Wandschrank. Durch die Glastüren
ist das Chaos im Inneren einzusehen. Es entsteht der Eindruck, dass
beim Öffnen des Wandschrankes der Inhalt hervorquillt. Der Schrank
ist verschlossen - der Schlüssel steckt. Das ist die bildliche
Aufforderung, das Vergangene nicht als Abgeschlossen zu Betrachten,
sondern sich den Zugang zu den Erfahrungen zu erhalten und stets neu
zu reflektieren. Denn das Gedächtnis gibt den gegenwärtigen
Erlebnissen ihre charakteristische, gefühlshafte Tönung und
wirkt somit auf Gegenwart und Zukunft ein.
Der Wandschrank ist eine Metapher für das Gedächtnis. Denn
er ist fester Bestandteil der Architektur des Hauses und wird "Organ"
des geheimen psychologischen Lebens. Der Innenraum des Schrankes ist
Intimitätsraum, ein Raum, der sich nicht jedem auftut.
Entstehungsjahr: 1999
Material: Unterschiedliche Erinnerungsstücke